Rigid heddle loom

Weben mit dem Pickupstick

Nach meiner Lace-Studie hatte ich Lust auf eine ähnliche Studie zum Weben mit dem Pickupstick. Auch hier wurde ich fündig, Jane Patrick, die Autorin des grandiosen Buches „the weaver´s idea book„, hat einen kleinen Appetizer veröffentlicht – dazu gibt es bald ein Projekt samt Blogpost – und ich dachte mir, dass ein grundsätzlicher Artikel zum Pickupstick im Vorfeld hilfreich sein könnte.

Ihr habt gerade angefagen zu weben, die einfache Leinwandbindung klappt schon prima, die Kanten sind gerade und ihr seid mit dem Webrahmen vertraut? Prima! Dann stürzen wir uns ins nächste Abenteuer. Ihr benötigt dafür lediglich einen Lesestab – besser sind gleich zwei, denn ihr werdet dieses Tool einfach lieben. Es gibt Pickupsticks in vielen Längen, Breiten, spitz, rund, da muss jeder für sich schauen, womit besser gearbeitet wird. Bei mir ist es projektabhängig, mal mag ich die spitzen lieber, mal die runden. (Ja, ich habe sie in allen möglichen Längen und Ausführungen…)

Wichtiges vorab: Der Pickupstick sollte breiter als euer Projekt sein! Wenn ihr einen 80er Rahmen habt, ist der 86er Pickupstick die perfekte Wahl.

Pickup sticks

By the way: Diese Pinwheels webt man auch mit dem Pickupstick 😉

Weben mit dem Pickupstick

Der Pickupstick ist an sich ein einfaches Holzstück mit abgerundeter Spitze oder Spitze zum leichteren Aufnehmen der Kettfäden. Der Gatterkammwebrahmen ist ein zweischäftiger Webrahmen, mit einem Pickupstick erhöht ihr auf drei Schäfte, mit zwei Sticks auf vier. Kurzum: mit dem Lesestab habt ihr komplett neue Möglichkeiten für den simplen Webrahmen.

 

Generell gilt: Wir arbeiten mit den Schlitzfäden, daher fädeln wir den Pickupstick im unteren Fach ein. (Psst, die Lochfäden sind auch ganz nett, aber für unsere Zwecke leider zu unflexibel). Kleiner Einschub: wenn der Gatterkamm im oberen Fach ist, sind die Schlitzfäden unten; ist der Gatterkamm im unteren Fach, sind die Schlitzfäden oben. Da sie Schlitzfäden flexibel sind, arbeiten wir mit ihnen, haben die Lochfäden aber trotzdem nicht minder lieb 😉

Was sind diese Flottierungen, von denen hier ständig gesprochen wird?

Die normale Leinwandbindung bedeutet, dass ein Faden über, der nächste unter gewoben (oder flottiert) wird. Mit dem Lesestab nehmen wir mal zwei Fäden auf, lassen zwei fallen (NEIN, wir fangen nicht mit dem Stricken an!!!) und haben eine komplett neue Bindung erstellt. Wir unterscheiden hier zwischen

Schussflottierung – der Gatterkamm ist in neutraler Position, ihr stellt den Pickupstick hochkant auf

Kettflottierung – der Gatterkamm ist im oberen Fach, ihr schiebt den Pickupstick flach hinter den Gatterkamm. Durch das obere Fach werden die Lochfäden angehoben.

Kombinierte Kett- und Schussflottierung – hier verbinden wir einfach beide Schritte, so wird die Anleitung Schritt für Schritt etwas länger, aber wir wollen ja nicht nur drei Reihen weben.

 

Grundsätzliche Arbeitsaufträge beim Weben mit dem Pickupstick:

  • Oberes Fach (Up) – ihr arbeitet im oberen Fach und schießt das Schiffchen ganz normal durch
  • Unteres Fach (Down) – ihr arbeitet im unteren Fach und schießt das Schiffchen ganz normal durch
  • Pickup stick – Gatterkamm in neutraler Stellung, Pickupstick hochkant hinter dem Gatterkamm, so entsteht eine Schussflottierung.
  • Oberes Fach und Pickupstick (up and/with pickupstick) – Ihr seid im oberen Fach, schiebt den Pickupstick zum Gatterkamm und lasst diesen flach liegen. Hier entsteht eine Kettflottierung.

 

Möglichkeiten mit dem Pickupstick

Der Mermaid-Schal

Lace-Muster – eine Studie

Leichtes Sommertuch weben – Lace dreams are made of this

Muster weben – nicht nur mit dem Pickupstick

 

Und was ist mit den Kanten???

Da ist man froh, dass die Kanten endlich gerade sind und plötzlich ist alles anders?! Gerade beim Weben mit dem Pickupstick muss man darauf achten, alle Kettfäden mit zu weben, ggf. muss man den äußersten Faden extra umgarnen, im wahrsten Sinn des Wortes. Um dem zu entgehen, kann man mit solchen Mustern auch erst nach zwei oder drei Kettfäden beginnen.

Übrigens müsstet ihr bei einem Gewebe, dass 3/1 lace und 5/1 lace in einem Stück beinhaltet, den Webstuhl immer komplett neu einfädeln – beim Rigid heddle loom nehmen wir lediglich den pickupstick und ziehen die Fäden anders auf. Toll, oder?!

Und wer dann immer noch nicht genug hat, der lernt „heddle rods“ kennen und lieben 😉 aber das ist eine andere Geschichte, um die kümmern wir uns später mal.

Alles Liebe, eure Bianca

P.S.: Wie gefällt euch das neue Blog-Design?

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