Was ist eigentlich dieser Gatterkamm?

Gatterkamm
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Ich habe einen Musterkamm von Kircher Webgeräte bekommen und beim Drehen und Wenden kam mir die Idee, einmal Grundsätzliches zum Gatterkamm aufzuschreiben. Am Gatterkamm passiert so einiges, doch was steckt eigentlich genau drin? Wie ihr ja wisst, liebe ich das Weben am Rigid heddle loom, dem Gatterkamm-Webrahmen. Im Englischen ist der Gatterkamm übrigens die heddle, ein rigid heddle loom ist also ein starrer-Gatterkamm-Rahmen.

 

Gatterkammweben

Es gibt Schulwebrahmen, Webstühle, Bandweben und das Gatterkammweben/Rigid heddle weaving. Ein Rigid heddle loom ist ein 2-Schaft-Rahmen, wodurch nicht sehr viele Mustermöglichkeiten bestehen. Und ja, bis auf wenige Ausnahmen, webt man auf dem Gatterkamm-Webrahmen meist Leinwandbindung, ABER mit einem pick-up-Stick sind unzählige faszinierende Möglichkeiten gegeben, zudem gibt es noch diverse fingermanipulierte Techniken wie z.B. Leno und mit einem Litzenstab (oder mehreren…) kann man zusätzliche Schäfte erzeugen. Alles andere als langweilig also. Der Gatterkamm beschleunigt das Weben ungemein, denn ich kann das Schiffchen direkt durch das Fach schießen und muss nicht mühsam über und unter jeden einzelnen Faden weben, wie an den meisten Schulwebrahmen.

Gatterkamm 30/10, 40/10, 50/10
Hier sieht man drei Gatterkämme, v.o.n.u.: 30/10, 40/10, 50/10.

 

Die Kettfäden werden beim Schären durch den Gatterkamm geführt. Beim direkten Schären wird der Faden doppelt durch den Schlitz gezogen, später wird einer der zwei Fäden durch das Auge/Loch links des Schlitzes geführt. Durch das Anheben des Gatterkamms entsteht dann ein sogenantes Fach, durch dass das Schiffchen geführt wird.

Ist der Gatterkamm oben, werden die Lochfäden in einem Winkel über die Schussfäden angehoben, es wird jetzt unter einem Faden, über einen Faden, usw gewoben. Wenn der Gatterkamm unten ist, entsteht wieder ein Fach, die Lochfäden stehen nun in einem Winkel unter den Schlitzfäden, jetzt wird über einen Faden, unter einem Faden usw. gewoben. Somit sind die Lochfäden die aktiven Fäden, die Schlitzfäden bleiben passiv.

Eine weitere Aufgabe des Gatterkamms ist das Anschlagen des Gewebes, dies muss gleichmäßig geschehen, um ein ausgeglichenes Gewebe zu erhalten.

Der Abstand zwischen Schlitz und Loch entscheidet letztendlich darüber, wie hoch die Kettfadendichte ist, also wie dicht das Gewebe wird. Ein 40er Gatterkamm bedeutet, dass 40 Kettfäden auf 10 cm verteilt sind. Grob gesagt kann man den Gatterkamm mit den unterschiedlichen Nadelstärken bei Strick-/Häkelnadeln vergleichen. Also der Gatterkamm entscheidet über das zu benutzende Garn.

  • 2,5 dpi = 10/10 cm (super bulky Garn)
  • 5 dpi = 20/10 cm (grob gesagt für bulky Garn)
  • 7,5 dpi = 30/10 cm (worsted/DK)
  • 10 dpi = 40/10 cm (Sport)
  • 12,5 dpi = 50/10 cm (Fingering, Sockenstärke)
  • 15 dpi = 60/10 cm (Lace)

2.5 dpi heißt, dass auf ein Inch 2.5 dents kommen, oder im metrischen System 10 Fäden auf 10 cm. Bei 15 dpi kommen dann 15 dents auf ein Inch, oder 60 Fäden auf 10 cm. Bei 60/10 cm ist im Übrigen bei den meisten Anbietern Schluss, das liegt am empfindlichen Kunststoff, der bei noch feineren Einteilungen brechen würde – nicht so bei Kircher Webgeräten. Kersten Kircher erstellt Gatterkämme aus Holz und bietet Einteilungen bis 80/10.

Bei Webrahmen z.B. von Schacht gibt es statt 7.5 dpi 8 dpi, das liegt daran, dass Schacht direkt in inches rechnet, Ashford vom metrischen cm-System in inches umrechnet. Diese kleinen Abweichungen sind aber nicht wirklich dramatisch. Ihr nehmt immer den Gatterkamm, der bei eurer Messung am Lineal oä. am nächsten kommt.

Gatterkamm

Wie ermittle ich den richtigen Gatterkamm?

Das ist ganz einfach, ihr benötigt dazu den sogenannten WPI. What? Es bedeutet wraps per inch, macht schon mehr Sinn, oder?! Ihr schnappt euch also ein Lineal (mit inches) und wickelt das geplante Kettgarn auf genau einen inch (2.54 cm). Dann zählt ihr die gewickelten Fäden, die wirklich dicht beieinander liegen sollten, und teilt sie durch 2. (Mehr Mathe wird´s nicht, versprochen!) Solltet ihr also 16 Fäden haben, ergibt das 8. Hier nehmt ihr den 7.5 (30/10er) Gatterkamm – oder ihr habt einen Schacht Webrahmen, dann natürlich den 8er 🙂 Der Gatterkamm ist der richtige, dessen Ergebnis am nächsten liegt.

Gatterkamm bestimmen mit tools

Es gibt auch total stylishe Tools, die schon Aussparungen für einen Inch bzw. einen halben (der untere) haben oder auf Linealgröße drei Gatterkämme nebeneinander liegen (links 12.5, mittig 10, rechts 7.5). Diese zwei Tools sind nice to have, kein muss, ich liebe sie aber sehr und geb sie nicht mehr her. Ein Lineal tut es aber völlig.

 

Besonderheit variabler Gatterkamm

Seit einiger Zeit gibt es auch variable Gatterkämme. Interessant ist hier z.B. die Möglichkeit, dasselbe Garn in unterschiedlichen Gatterkämmen nebeneinander darzustellen. Der variable Gatterkamm ist von mehreren Herstellern in allen Breiten erhältlich. Bislang habe ich damit noch nicht gearbeitet, steht aber auf der näheren to-do-Liste. Hier kann man in einer Kette unterschiedliche Garnstärken verarbeiten. Dazu aber demnächst mal mehr hier…

Gatterkamm vari dent 80 cm Gatterkamm vari dent - Einsätze

 

Ich hoffe, ihr könnt nun ein wenig besser verstehen, was die Besonderheit des rigid heddle looms, des starren Gatterkamm-Rahmens, ist. Er besticht durch seine Einfachheit und Vielseitigkeit – ich liebe dieses Weben einfach.

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Mehr zum Rigid heddle loom in meinem Blog:

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