Bianca

Saori weben

Konnichiwa, kreativ weben ist jetzt großes Thema im Blog, da darf das Thema Saori weben als Mutter des kreativen Webens auf keinen Fall fehlen. So widmen wir uns der Frage: Was ist Saori, was ist der Unterschied zum klassischen Weben und was hat das mit kreativem Weben zu tun?

Falls ihr eucht jetzt fragt, ob ich nun auch noch einen Saori Webstuhl habe – Nein, leider nicht. Die Bilder wurden mir freundlicherweise von Margit Kopf vom Mainzer Studio wiesensalat zur Verfügung gestellt. Liebe Margit – tausend DANK!!!

Saori ist erstmal eine Marke aus Japan, gegründet in den 1960ern von Misao Jo, die die Nase vom klassischen Weben voll hatte. Ihr könnt Saori Webstühle kaufen, Kurse belegen und euch zur zertifizierten Lehrkraft ausbilden lassen. Es gibt den klassischen zweischäftigen Webstuhl mit zwei Tritten, mittlerweile aber auch einen vierschäftigen Webstuhl. Entwickelt um die Kreativität zu fördern, du sollst dich selbst ausdrücken.

Saori weben - Webstuhl
Copyright: Margit Kopf – www.wiesensalat.de

 

Sai ist japanisch und bedeutet Unterschied – ori bedeutet weben, sao ist aber auch ein Teil des Namens der Gründerin Misao Jo.

Die vier Grundsätze des Saori weben:

  • Mach dir die Unterschiede zwischen Maschinen und Menschen bewusst. Menschen können denken und sich ausdrücken, das können Maschinen nicht.
  • Wir erkunden mutig. Sei spontan und mutig, lass dich auf ein Abenteuer ein.
  • Wir weben mit glücklichem Herzen. Geh mit strahlenden, offenen Augen (und Herz) durch´s Leben.
  • Wir lernen gemeinsam als Gruppe und inspirieren uns. Die Gruppe hilft sich gegenseitig und hält keine Informationen oder Ideen zurück. Wir respektieren uns gegenseitig, nur so wird eine verwobene Gemeinschaft entstehen 🙂

Es gibt keine Regeln: alles kann, nichts muss. Nutze deine Intuition. Diese Grundsätze sind wunderbar. Eine Maschine kann viel präziser arbeiten, ist nahezu fehlerfrei, aber das ist doch langweilig, oder?! Handgemacht bedeutet für mich: hier ein Fehler, äh ungeplantes, plötzlich auftretendes Designelement. Zwar webe ich in keiner Gruppe vor Ort, dafür aber in einigen Onlinegruppen und bin dankbar für den tollen Austausch und die Inspiration. Mit glücklichem Herzen webe ich spätestens nach drei Reihen, wenn die Entspannung einsetzt. Mutig erkunden, gut daran könnte es vielleicht mal scheitern 😉 aber ich gelobe Besserung.

Misao Jo – was wäre wenn?

Im Alter von 57 Jahren begann die Japanerin das Weben und sollte diese uralte Kulturtechnik revolutionieren. Sie starb im Alter von 104 im Januar 2018. Während ihres gesamten Lebens war ihr wichtig, bereits Gelerntes zu erweitern, über die Grenzen zu gehen und Harmonie im globalen Umfeld. Oft stellte sie sich die Frage „Was wäre wenn…“? So lernte sie anfangs die Kunst des Ikebana (Blumen stecken) und floh während des Zweiten Weltkriegs in ein kleines Dorf in den Bergen. Als sie nach Tokio zurückkehrte, unterrichtete sie Ikebana, stellte ihren Schülern aber nie Probesträuße zur Verfügung, damit ihre eigene Vorstellungskraft geschult wird. Lediglich anhand ihrer Erklärungen sollten sie eigene Werke schaffen, nicht bloß kopieren. Eine Typhuserkrankung stoppte jedoch ihre Pläne.

Nach einiger Zeit kehrte ihre Mutter, die jahrelang als Weberin tätig war, zum Weben zurück und inspirierte ihre Tochter so. Misao baute einen eigenen Webstuhl und webte einen Obi, einen Kimonogürtel, der von einem professionellen Weber als nutzlos bezeichnet wurde, da ihm ein Kettfaden fehlte. Misao beschloss daraufhin nur noch Dinge zu weben, die menschlich sind und nicht von Maschinen reproduziert werden können, perfekt unperfekt halt. Der Rest ist wunderbare Geschichte. Die Saori-Webstühle wurden extra dafür konzipiert, dass man das Weben umgehend angehen kann, dass man auch mit körperlichen Einschränkungen das Weben genießen kann und der Lernerfolg ein schneller ist. Im Saori weben gibt es keine Fehler, alles ist Design.

Freestyle weben am Saori Webstuhl
Copyright: Margit Kopf – www.wiesensalat.de

 

Die Besonderheiten

Man kann für seinen Saori Webstuhl sogar vorgefertigte Ketten bestellen, mit denen man noch schneller losweben kann. Die Kette wird hier als Leinwand angesehen, die Schussgarne sind die farbenfrohen Pinselstriche. Jedes Gewebe ist ein Kunstwerk. Mir gefällt an den Webstühlen sehr, dass direkt ein Spulgerät integriert ist und der Webstuhl sehr platzsparend untergebracht werden kann. Hier verarbeitet man alles, Garnreste, Kammzüge (siehe mein Artikel Kreativ weben am Gatterkamm-Webrahmen). Saori weben ist eine ständige Reise zu sich selbst, ohne Anspruch perfekt zu sein, denn perfekt gibt es hier nicht. Einzigartigkeit ist das Ziel ebenso wie das Entdecken der eigenen Kreativität. Wer noch nicht weben kann und genausten Unterricht erwartet, wird enttäuscht sein. Hier geht es eher montessorimäßig zu, man entdeckt selbst alle tollen Möglichkeiten, mit viel Unterstützung des Kurses. Lediglich bei Fragen oder Problemen wird eingeschritten. Die generelle Webstruktur ist Leinwandbindung, die aber mit viel Kreativität aufgehübscht wird, somit ist es perfekt für den Rigid heddle loom. Yay! Im Freestyle weaving finden Wollreste, Schlaufen, Muster, Ideen ihren Platz im Gewebe.

Mir gefällt der Ansatz sehr, er spricht mir aus der tiefsten Seele. Ein Saori-Webstuhl wäre ein Hingucker, aber momentan bin ich mit meinen Rigid heddle looms voll und ganz zufrieden (und beschäftigt genug).

All diese Prinzipien finden sich im freestyle weaving bzw. der #creativeclothchallenge wieder. Ich schrieb ja schon mehrfach, dass mich diese Challenge sehr berührt und bewegt hat, im wahrsten Sinn des Wortes. So habe ich überlegt, wie es mit dem Blog weitergehen wird, was ich wirklich weben will und ähnliches. Fest steht, dass ich mit dem – räusper den –  Gatterkamm-Webrahmen weitermachen werde und viele Dinge einarbeite, die ich lernen durfte und immer noch lernen darf. Nutze, was du hast. Dieses Motto ist jetzt tief in mir verankert.

Copyright: Margit Kopf – www.wiesensalat.de

Saori weben in Deutschland – Freestyle weben in Mainz

Solltet ihr Lust auf einen Kurs im Saori weben bekommen haben, nehmt Kontakt mit Margit von Wiesensalat auf, sie gibt Kurse und war 2014 in Japan um die Trainerausbildung zu machen. Margit war auch so lieb und hat mir die Bilder zur Verfügung gestellt. Auch ich würde gern einmal Kurse bei ihr besuchen, doch dann kam dieses C-Virus, dessen Namen wohl niemand mehr hören möchte…

Fun fact:

Ich hab auf dem Gymnasium damals sogar mal Japanisch gelernt, Sprachen lernen macht mir ja viel Spaß. Leider war ich jedoch nie in Japan. Wart ihr schon mal dort?

Sayonara, Bianca

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