Rigid heddle loom – was ist das eigentlich

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Was mir so am Rigid heddle loom gefällt? Er ist flexibel, mobil und tragbar, ich kann normale Garne verarbeiten, das Hobby ist von den Kosten überschaubar, er ist schnell einsatzbereit, sprich eingerichtet und ich habe viele Möglichkeiten an Mustern. Außerdem ist er aus Holz, mit wenig Kunststoff und leise 🙂 Doch was genau ist ein Rigid heddle loom? Was benötigt man für den Rigid heddle loom und wie ist er aufgebaut? 

 

Der Aufbau eines Rigid heddle looms

Auch wenn es unterschiedliche Hersteller gibt (Ashford, Glimakra, Kromski, Schacht), das Prinzip eines Rigid heddle loom ist immer gleich. Der rechteckige Rahmen, der Gatterkamm samt Halter für die unterschiedlichen Positionen des Gatterkamms, Bremsen, Warenbaum (vorn), Kettbaum(hinten). Manche Rahmen haben bereits einen Halter für einen zweiten Gatterkamm integriert, so dass Doppelgewebe hergestellt werden können. 

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Mit der Bremse reguliert man die Kettspannung und das bereits Gewebte wird auf den Warenbaum gewickelt, so dass neue Webfläche vorhanden ist. Auf den Warenbaum vorne wird also das bereits Gewebte gewickelt, der Kettbaum hält die aufgewickelte Kette, die nach und nach abgewickelt und abgearbeitet wird. 

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Wie ein Rigid heddle loom funktioniert

Wörtlich übersetzt heißt der Rigid heddle loom „Starrer Litzen Rahmen“, bei uns bekannt als Gatterkamm. Ein Holzrahmen hält die starren Litzen an Ort und Stelle, sie sind also nicht so beweglich wie die eines Webstuhls (die meist aus Texsolv bestehen und flexibel sind) und haben immer den gleichen Abstand. So wie es beim Stricken unterschiedliche Nadelstärken gibt, gibt es beim Weben unterschiedliche Abmessungen der Gatterkämme.

  • 2,5 dpi = 10/10 cm
  • 5 dpi = 20/10 cm (grob gesagt für bulky Garn)
  • 7,5 dpi = 30/10 cm (worsted/DK)
  • 10 dpi = 40/10 cm (Sport)
  • 12,5 dpi = 50/10 cm (Fingering, Sockenstärke)
  • 15 dpi = 60/10 cm (Lace)

2.5 dpi heißt, dass auf ein Inch 2.5 dents kommen, oder im metrischen System 10 Fäden auf 10 cm. 

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Der Gatterkamm besteht aus den einzelnen Litzen (heddles) mit Schlitzen und Löchern, durch die das Kettgarn läuft. Durch Heben und Senken des Gatterkamms entsteht ein Fach, durch die das Schussgarn geführt wird. Die Fäden in den Schlitzen bewegen sich frei, die in den Löchern sind starr. 

Beim Heben des Gatterkamms sind die Fäden der Löcher oben, wenn der Gatterkamm in der unteren Stellung ist, sind die Fäden der Schlitze oben. 

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Fachbegriffe rund um den Rigid heddle loom

Anschlagen – wenn das soeben eingeschossene Garn mit dem Gatterkamm an Ort und Stelle gebracht wird

ausgeglichenes Gewebe – wenn Kett- und Schussfadendichte identisch sind

Breithalter – Instrument, dass den Einzug des Gewebes verhindern soll…mit fiesen Haken, auf die man acht geben muss

Dent – Im Englischen spricht man von einer 10-dent-heddle – bei uns heißt es 40/10, sprich 40 Fäden auf 10 cm, im Englischen sind es 10 Fäden auf einen Inch. Entspricht auch dem EPI (Kettdichte auf deutsch)

Einziehhaken – Instrument, mit dem die Kettfäden beim Schären durch den Gatterkamm gezogen werden

Fach – Der Raum, der gebildet wird, wenn der Gatterkamm gehoben oder gesenkt wird, oder wenn der Lesestab eingesetzt wird

Kette – die vertikalen Fäden, stehen unter besonderer Spannung

kettlastig – Gewebe, bei dem die Kettfäden im Vordergrund stehen

Leinwandbindung (plain weave) – simples Weben, quasi das über-unter-über-unter 

PPI (Picks per inch) – Anzahl der Schussfäden auf einen Inch, ein ausgeglichenes Gewebe gibt es bei gleicher Anzahl EPI und PPI (Schussdichte auf deutsch)

Schärrahmen – dies ist ein viereckiger Rahmen, auf den in regelmäßigen Abständen Holzpflöcke angebracht sind um eine Kette zu schären

Schiffchen – das Instrument, mit dem die Schussfäden ins Gewebe eingebracht werden

Schlichte – das Kettgarn wird vor dem Weben behandelt, um eine bessere Garnglätte zu bekommen. Diese Schlichte wird mit dem Entspannungsbad ausgewaschen. Jeder Weber hat so sein eigenes Rezept für die perfekte Schlichte. 

Schuss – das Garn wird per Schiffchen vertikal eingebracht

schusslastig – Gewebe, bei dem die Schussfäden im Vordergrund stehen

Webblatt – so wird der Gatterkamm beim Webstuhl weben genannt

 

Was benötige ich zum Rigid heddle loom?

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Wenn ihr direkt schären wollt, benötigt ihr einen Schärpflock, ansonsten ein Schärbrett. Auf jeden Fall braucht ihr einen Gatterkamm passend zum Kettgarn, eine Schere, einen Einziehhaken, ein Maßband zum Ausmessen der Kettlänge und Pappstreifen, Holzstreifen oder Packpapier um die Kettfadenschichten zu trennen. 

Nice to have, aber kein Muss:

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T-pins, S-Haken oder Kettfadengewichte – falls mal ein Kettfaden reißen sollte. Wollnadel für den Saumstich. Wollwickler für das Kettgarn. 

Unterschied Rigid heddle loom, Schulwebrahmen, Webstuhl

Der RHL ist ein sogenannter 2-Schaft-Rahmen. Ein Webstuhl kann unglaublich viele Schäfte haben, so dass die komplexesten Muster möglich werden. Aber auch mit dem RHL sind, dank zwei Schäften und den pick-up-Sticks – viele tolle Mustermöglichkeiten gegeben. 

Ein Schulwebrahmen ist ein toller Einstieg in die Welt des Handwebens und bietet ausreichend Möglichkeiten mit Soumak, Rya, Twill und Köper und vielem mehr. Er ist ebenfalls ein viereckiger Rahmen, der ggf. mit einem Stab zur Fachbildung daherkommt, so dass es nicht auf das altbekannte unter-über-unter-über hinauslaufen muss und schneller geht. Zum Schnuppern ein fantastischer Einstieg mit Vielfalt. 

Ein Webstuhl ist recht kosten-und platzintensiv. Je nach Schaftanzahl sind den Mustern keine Grenzen gesetzt. Wer allerdings direkt mit dem „richtigen“Weben starten will, dem sei ein Tischwebstuhl ans Herz gelegt. 

Der RHL 

Einzig der RHL hat das Merkmal, dass der Gatterkamm zum Anschlagen sowie zur Fachbildung genutzt wird. Hier passiert die Magie. Der Rigid heddle loom kann mit Rundstab samt Schlaufen um einen Schaft erweitert werden. Mustern kann man mit mehreren Lesestäben. Gatterkämme gibt es in unterschiedlichen Größen für unterschiedliche Garne – hier sind so unglaublich viele Möglichkeiten verborgen. Er nimmt wenig Platz in Anspruch, die Kosten sind überschaubar – ich bin ein großer Fan des Gatterkammrahmens, mir fehlt hier nichts. 

Wie die Kette auf den Rahmen kommt, erfahrt ihr hier im Blogartikel

Die Basics zum Weben am Rigid heddle loom, findet ihr im Artikel zum Soumak weben

Einen Buchtipp zum Thema habe ich zum Schluss noch für euch: Weben – Das Standardwerk für den Gatterkammrahmen 

 

Habt ihr euch für 2019 vorgenommen, das Rigid heddle weben mal auszuprobieren? 

Alles Liebe, Bianca

Der Artikel ist Teil der Linkparty bei Caros Fummeley

 

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