Mermaid Scarf das Tagebuch

Mermaid scarf - es kann los gehen

Mermaid scarf das Tagebuch? Es gibt etwas Neues auf dem Blog. Auf meiner Reise zum fertigen Meerjungfrauenschal möchte ich euch mitnehmen und am Prozess teilhaben lassen. Immer, wenn ich etwas weiter gewebt habe, gibt es einen weiteren Eintrag hier. Samt Gefluche, Geheule und was sonst so auf mich wartet 🙂 Ich bin gespannt, wie lange ich daran arbeiten werde. Wenn es nicht allzu schlimm wird, möchte ich noch zwei weitere solcher Schals weben.

Worum geht es bei „Mermaid scarf das Tagebuch“?

Neulich stöberte ich durch die Rigid heddle loom-Abteilung auf Etsy und stieß auf einen Schal. Ich wurde neugierig, traute mich wegen der Komplexität des Musters aber nicht wirklich. Doch der Schal ließ mich nicht los. Und so gönnte ich mir selbst zu meinem Geburtstag Anfang Mai die Anleitung samt Garn. Der Originalschal hat als Grundfarbe türkis, ich wollte jedoch magenta. Die Handweberin Lisa Rayner lebt in New Mexico und designt Magisches für den Rigid heddle loom. Drei Overshot-Schaldesigns hat Lisa bislang entwickelt: ihren fabulösen Mermaid scarf, den faszinierenden Goddess Ruana Scarf, den umwerfenden Seashell scarf und etwas anders: den schillernden Wellenschal. Die zwei Ebooks des mermaid scarfs landeten rasch in meinem Postfach und ich begann zu lesen. Allein hier lernte ich viel und freute mich auf das Projekt, wenn mir auch ein wenig mulmig vor der vielen Arbeit war.

Mermaid Scarf Das Ebook

Im Bild oben seht ihr einen Teil des Ebooks mit Bildern des Schals, Anleitungsausschnitt und auf dem untersten Blatt seht ihr den gesamten Verlauf des Schals. Lisa versendet zwei Dateien, einmal die reine Anleitung, die andere sind Erläuterungen rund um den Schal, Webgarn vs. Strickgarn und das Thema Overshot weben.

Normalerweise bräuchte man für ein solches Muster mindestens einen 64schäftigen Webstuhl. Ich möchte mir nicht mal das Einrichten des Webstuhls vorstellen müssen. Aber Lisa hatte DIE Lösung. Alles, was sie dafür braucht ist ein Rigid heddle loom, Garn, zwei Schiffchen und einen Lesestab. Einen winzig kleinen Einblick in die möglichen Muster auf dem Gatterkamm-Webrahmen habe ich euch ja auch bereits im Artikel Muster weben gewährt, gerade mit dem Pickupstick ist viel möglich, doch nun steigen wir ganz tief in die weiten Welten des Rigid heddle-Webmeeres – passend zum Thema Meerjungfrau 🙂

In diesem Video von Lisa Rayner seht ihr sie beim Weben, einen Teil der Anleitung und das Einlesen. Jede Reihe wird einzeln eingelesen.

Mermaid scarf - der Rahmen ist bereit

Material für den Mermaid scarf:

Rigid heddle loom mit Webbreite mind. 20 cm – ich nehme meinen Ashford Sample It 25 cm, Gatterkamm 12.5 bzw. 50/10

2 Schiffchen

1 Pick up stick / Lesestab

Kettgarn ( 3/2 UKI magenta, merzerisiertes Baumwollgarn)

Schussgarn:

  • Mustergarn: Wisdom Yarns Poems Sock Yarn, Farbe Cruise (LL 420 m/100g)
  • Leinwandbindung: 10/2 UKI magenta, merzerisiertes Baumwollgarn, welches vorher heiß gewaschen wurde)

Mermaid Scarf das Garn

 

Mermaid scarf das Tagebuch – die Reise beginnt –

03.05.2019

Happy birthday to me 🙂

Das Garn ist da, bereits gewaschen (ja, das war etwas Neues für mich, hier gibt es einen Unterschied zwischen Web- und Strickgarnen, der mir vorher auch nicht bewusst war), der Webrahmen ist eingerichtet – jetzt geht´s los. Tauchen wir gemeinsam ab. Begonnen habe ich mit zwölf Reihen Leinwandbindung, Saumstich, dann begann die erste Reihe des Musters.

25 Reihen des mermaid scarf geschafft

Ich benötige für das Einlesen einer Reihe 1.5-2 Minuten, da wird noch einige Zeit in´s Land gehen, bis der Schal fertig ist. Aber ich wollte es so und ehrlich gesagt, ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. Es ist schon ein Knaller, was mit einem simplen Webrahmen und einem Lesestab möglich ist. Das Schiffchen mit dem Mustergarn habe ich extra so gewickelt, dass der Anfang gelb ist und dann in pink übergeht. Ich bin gespannt, wie sich das Garn im Verlauf verhält. 25 Reihen sind geschafft, bleiben noch 1173…macht ungefähr 40 Stunden Arbeit.

11.05.2019

Die erste Seite der Anleitung ist fertig, chacka. Ich bin wirklich fasziniert, dass ich das kann, es mir Spaß macht und das raus kommt, was raus kommen soll. Beim Weben kann ich keine Podcasts hören oder etwas schauen, muss wirklich konzentriert sein, dadurch ist es aber auch entspannend. Aktuell ist die Farbe pink auf pink, sprich das Muster ist relativ schlecht zu erkennen, aber bald ändert sich die Farbe wieder. Seite 2 habe ich mir bereits vorbereitet, d.h. ich ziehe mit einem Bleistift horizontal und vertikal Linien, so dass Kästchen ersichtlich werden und ich einfacher zählen kann.

Pink auf Pink Seite 1 Häkchen

Also auf zu Seite 2, ich freu mich. Der Schal macht Spaß, es ist mal was ganz anderes.

15.05.2019

Seite 2 ist fertig gewebt, das ging richtig schnell jetzt. Und endlich kommt Farbe ins Spiel. Es ist doch schöner, wenn man wirklich sieht, was man da eigentlich webt 🙂 Es geht mittlerweile immer schneller eine Reihe einzulesen und Spaß macht es sowieso. Ich überlege schon, in welchen Farben ich den Seashell Scarf webe.

Das Muster nach Seite 2 und Farbwechsel

 

Overshot weben – was ist das eigentlich?

Das Muster heißt „Overshot“, da es über einige Schussfäden hinaussschießt und genau das, was dort hinausschießt ist das wunderschöne Spiralmuster. Wenn man es genau nimmt, ist Overshot dem Twill-Muster abgeleitet, was man besonders deutlich an Lisa Rayners Seashell scarf sieht. An einem Webstuhl würde man mehrere Schäfte gleichzeitig benutzen müssen, am Rigid heddle loom nutzen wir einen Gatterkamm, zwei Schiffchen und einen Pickupstick, das ist alles. Zwei Schiffchen brauchen wir für zwei unterschiedliche Garne, wir haben einmal das Sockengarn für´s Muster, das sollte ungefähr zweimal so dick wie Kett-/Schussgarn sein, und das sehr feine Schussgarn. Dieses benötigen wir um dem Gewebe die nötige Festigkeit zu geben. Würden wir nur das Mustergarn nutzen, würde es wabbelig und strukturlos werden und all die Arbeit wäre umsonst. Das Muster wird durch das feine Schussgarn nicht beeinflusst, es fällt an sich kaum auf, ist aber nichtsdestotrotz sehr wichtig.

 

Weitergabe von Mustern

Im Netz gibt es gerade Diskussionen über die Weitergabe von Mustern, z.B. bei Caia von Lanaphilia/Wollinspirationen. Gerade bei diesem Muster hier möchte ich etwas dazu sagen – die Anleitung selbst kostet ungefähr 20 Euro. Ich habe für das Set (Garn, Anleitung + Ebook) knapp 60 Euro bezahlt. 20 Euro für eine Anleitung ist eine Menge Geld – aber Lisa Rayner hat in die Erstellung des Musters so unglaublich viel Zeit investiert, das kann man kaum in Worte fassen. Auf dem Bild vom 11.05. seht ihr ein wenig vom Muster, so sehen alle Seiten der Anleitung aus, Pixel für Pixel wurde akribisch an Ort und Stelle gesetzt. Stundenlang wurde ausprobiert, getestet. Lisa hat 2015 Version 1 ihres Schals herausgebracht, 2018 kam der Schal 2.0 heraus, sie wollte weichere, rundere Formen. Heißt nichts anderes als wieder hat sie experimentiert, stundenlang.

Ich überlege ständig beim Weben, wie ich Lisa für diese Anleitung danken, was ich ihr zurückgeben kann. Jedesmal bewundere ich ihre Geduld und Akribie und bin stolz und glücklich, dass ich diesen Schal weben kann und darf, weil ich das Muster gekauft habe. Fragt die Designer mal, wie viel Arbeit in ihren Anleitungen steckt, wie der Ablauf ist und überlegt euch das ganz genau, wenn ihr gekaufte Muster weitergebt. Jeder möchte angemessen für seine Arbeit bezahlt werden! Wieso nicht für Anleitungen hinter denen eine Menge Arbeit steckt?

Eine Seite des Musters seht ihr übrigens auf der Seite von Interweave, sie ist dort zum Download bereit.

 

17.05.

Ich habe nun mit Seite 3 begonnen 🙂 Was ich festgestellt habe – diese Art des Webens entspannt mich ungemein. Diese totale Konzentration und Fokussierung tut einfach gut, kein Podcast, kein Fernsehen, nur der Webrahmen und ich. 20 Reihen habe ich hintereinander weg gewebt.

 

18.05.

Und während ich fleißig den Mermaid Scarf webe, hat Lisa bereits das nächste Design herausgebracht. Hatte ich mich doch grad erst für den Seashell Scarf als nächstes Projekt entschieden, haut die gute Dame dieses atemberaubende Muster raus – Regenbogen Twill Scarf – das kann sogar verstrickt werden, ihr lieben 😉 Dreimal dürft ihr raten, wer die erste Seite des Musters schon hat?

Für dieses Muster bräuchte man 120 – EINHUNDERTZWANZIG – Schäfte am Webstuhl. Am Rigid heddle loom reicht ein Pickupstick und Geduld. Langsam aber sicher wird der Wunsch Webstuhl immer kleiner, so ein Rigid heddle loom ist einfach praktischer, platzsparender und bietet so unglaublich viele Möglichkeiten. Wieder habe ich 20 Reihen gewebt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.