Rigid heddle lom - Gatterkamm

Keine Angst vor Mohair – der weavealong

Happy 2022 – wir läuten das neue Jahr mit dem Weavealong „Keine Angst vor Mohair“ ein. Antje und ich waren von einem Schal fasziniert, den Regine auf ihrem Salusso-Webrahmen gewebt hatte und der lediglich 25 g wog. Träumchen, das wollten wir auch. Und so entstand die Idee eines Jahresauftakt-Weavealongs. Mohair in der Kette ist etwas tricky, aber nicht unmöglich und so zeigen wir euch Tipps und Tricks, wie auch ihr keine Angst vor Mohair haben müsst.

Keine Angst vor Mohair – der weavealong

Angewebt wird am 09. Januar 2022. Es folgt ein Instalive mit Antje und mir am Montag, 10. Januar um 19:30 Uhr. Hier  stehen wir euch Rede und Antwort. Und dann sind wir gespannt auf eure Mohairwerke. Der Hashtag lautet übrigens #fearnotmohairweavealong

Ihr benötigt einen Webrahmen oder einen Webstuhl, Mohairgarn, einen 30/10 Kamm/Blatt sowie Zeit und Lust auf dieses Projekt. Sollte dies euer erstes Projekt am Webrahmen sein, Finger weg (oder ihr nehmt das Concept MohairCotton-Garn), ihr braucht ein klein wenig Erfahrung. Antje hat für euch Materialpakete zusammengestellt, die auch eine Anleitung beinhalten.

 

Fun fact: Die Stofftiere mit dem Knopf im Ohr bestehen oft aus Mohair.

 

Für euch getestet – Mohairgarne:

Ich habe für euch acht Mohairgarne in Kette und Schuss getestet. Kursiv habe ich meine subjektiven Eindrücke dazu geschrieben.

  • Austermann – Kid Silk (75% Mohair und 25% Seide), 25g, LL 225m – lässt sich prima verweben, sieht toll aus. 
  • Katia – Mohair Cotton (70% Baumwolle, 30% Mohair), 50 g, LL 225 m – durch den hohen BW-Anteil ein Anfängermohairgarn, das auch nicht soooo mohairig ist 😉
  • Kremke Soul Wool – (72% Mohair, 28% Seide), 25g, LL 210 m – toller Glanz, lässt sich prima verweben
  • Lamana – Premia (60% Mohair (Super Kid), 40% Seide), 25 g, LL 300 m – sieht prima aus und lässt sich auch so verweben
  • Lana Grossa – lala Berlin Brushy (42% Mohair, 38% Schurwolle Merino und 20% Polyamid), 50 g, LL 135m – dieses Garn bitte NICHT in der Kette verwenden. (Mein Anfangsliebling, sieht einfach mega aus, aber ist leider sehr mohairig und „klebrig“ in der Kette. Im Schuss ein absoluter Hingucker!
  • Lana Grossa – Silkhair (70% Mohair, 30% Seide), 25g, LL 210m – zarter Glanz, tolle Griffigkeit, lässt sich super verweben
  • Lang Yarns – Lace (58% Mohair Superkid und 42% Seide), 25 g, LL 310 m – der hohe Seidenanteil lässt das Garn noch edler wirken, sanfter Glanz, lässt sich gut verweben
  • Lang Yarns – Mohair luxe (77% Mohair Superkid und 23% Seide), 25g, LL 175m – sehr lange Mohairlocken, lässt sich trotzdem prima in der Kette verwenden und sieht toll aus

 

In einem ersten Stück habe ich alle acht Garne nebeneinander auf den Webrahmen gezogen und wollte anschließend alle Mohairgarne nacheinander im Schuss verarbeiten. Da ich noch etwas skeptisch war, habe ich das Mohairgarn durch einen Baumwollfaden unterstützt, so war das Mohair quasi Beilaufgarn. Bei diesem Testlauf habe ich einen 40/10 Gatterkamm verwendet. Mein Favoritengarn schied hier leider aus 🙁 das Fach ließ sich kaum öffnen, es war extrem klebrig…aber optisch einfach DER Knaller. Vom Rahmen geschnitten. Seufz.

 

Tipps für den Umgang mit Mohair:

  • Kette oft nachlassen
  • Kette nicht bis zum Äußersten spannen
  • Schwach anschlagen
  • Beim Hemstitching nicht zu fest ziehen
  • Konzentriert arbeiten, denn eine gewebte Reihe lässt sich kaum zurückweben
  • Pickupstick hinter dem Gatterkamm einsetzen, hilft bei der Fachbildung
  • Mit dem Schiffchen direkt am Gatterkamm lang weben, damit ihr euch nicht in der Kette verhakt
  • Beim Einfädeln in Loch und Schlitz unbedingt darauf achten, dass ihr den linken Faden wählt und diesen ins linksliegende Loch zieht
  • ganz ganz ganz vorsichtig mit der Hand waschen

 

Dann ging es um die Wurst. Ich habe einen 30/10 Gatterkamm genutzt und sieben der Garne (halt ohne meinen Favoriten) aufgezogen und war gespannt, was passiert. Das erste Schussgarn war Mohair Luxe von Lang Yarns und alles funktionierte prima, das Fach ließ sich gut öffnen, ich hatte meinen Pickupstick am Kettbaum platziert und ihn immer mal einsetzen müssen, aber dann war es prima.

Mohair – das Garn

Warum eigentlich keine Angst vor Mohair, was ist so schlimm an Mohair? 

Mohair kann in der Kette, vor allem Gatterkamm, Probleme machen. Durch den Abrieb in den Löchern kann das Garn schnell reißen. In den hier getesteten Garnen ist aber ein guter Anteil an Seide, der das Garn stabiler und widerstandsfähiger macht.

Mohair stammt von der Angoraziege und hat entsprechend nichts mit Angorawolle zu tun, die stammt vom Angorakaninchen. Die Angoraziege stammt ursprünglich aus der Türkei (Angora – Ankara) und wird zweimal jährlich geschoren, wobei sie bis zu vier Kilogramm Wolle liefert. Heute stammt das meiste Garn aus Südafrika, aber auch aus Lesotho, Texas und der Türkei. Es gehört zu den Edelgarnen und besticht durch einen feinen Glanz und viel Flausch. Die Angoraziege hat ein herrliches weißes Fell, sie wird im Alter von sechs Monaten das erste Mal geschoren (Kid Mohair). Kid Mohair ist, wie der Name schon sagt, das Garn der Jungtiere und besonders fein und geschmeidig. Dann gibt es noch Young Goat und Adult. Die Naturfaser kommt mit allem daher, was Naturfasern ausmacht: im Winter hält Mohair warm, im Sommer kühlt es (wärmeisolierend-wärmeregulierend). Die Wolle nimmt Feuchtigkeit auf, ohne wirklich nass zu wirken. Beim Waschen muss man darauf achten, dass man nicht zu fest presst, sonst verfilzt das schöne Garn. Oft wird Mohair mit anderen Fasern wie Seide, Polyamid oder Schurwolle gemischt.

Die Schattenseiten der Mohairproduktion

Bei allen tollen Eigenschaften des Garns dürfen wir die Schattenseiten nicht unerwähnt lassen. Die Tiere werden oft schlecht gehalten und erleiden bei der Schur, die ja immerhin zweimal im Jahr stattfindet, ziemliche Qualen. Ziegen sind Fluchttiere, daher es ist eine besondere Qual für sie, dass ihre Beine verbunden werden und sie auf den Boden gedrückt werden, wobei sie oft verletzt werden. Abgesehen von der Schur werden ihnen unter widrigen Umständen die Hörner entfernt und wenn sie nach der Schur nicht ausreichend Unterschlupf finden, erfrieren sie. PETA hat hier einen interessanten Bericht geliefert, der nachdenklich macht.

Und genau das möchten wir mit diesem Weavealong erreichen – ihr sollt eure Projekte aufmerksam planen, recherchieren. Was für ein Garn wird benötigt, kann ich es eventuell durch ein anderes ersetzen? Yarnsub ist hier oft eine große Hilfe. Und so wird zum Ausgleich unser nächster weavealong mit regionaler Wolle stattfinden.

 

Was werdet ihr im Weavealong weben? Habt ihr schon Erfahrung mit Mohair? Antje und ich sind gespannt und freuen uns auf den Austausch mit euch!!!

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